Kinder, die mit Hunden großwerden, sind nicht nur gesünder, sie sind auch beliebter bei den KameradInnen und tun sich im Umgang mit ihnen leichter. Das wurde in Studien festgestellt und unzählige Familien mit Kind(ern) und Hund(en) würden das ohne Zögern bestätigen. Hunde sind enorm anpassungsfähig, das beweisen sie seit Hunderten von Jahren. Viele Hunde sind von Natur aus sensationelle Nanny Dogs und finden sich ganz von allein in ihre Rolle als Familienhund hinein, wenn ein Baby kommt. Doch darauf verlassen sollten Sie sich nicht. Sicherheit mit Kind und Hund ist nicht umsonst ein vieldiskutiertes Thema.

„Jede Erziehung ist Selbsterziehung, und wir sind eigentlich als Lehrer und Erzieher nur die Umgebung des sich selbst erziehenden Kindes“ Rudolf Steiner

Management und Rituale

Damit der Familienalltag mit Kind und Hund harmonisch und sicher verläuft, empfehle ich, beizeiten gutes Management zu betreiben. Abstand und Barrieren beispielsweise verhüten, dass das Krabbelkind unversehens Astas Napf zu Nahe kommt. Sie verhindern auch, dass Fifi, Benny oder Kira mit den Bauklötzchen des Juniors das Weite suchen und diese womöglich unter Protestgeschrei des Beraubten zerbeißen.

Etablieren Sie verbindliche Rituale und gute Gewohnheiten, so ersparen Sie sich und dem Hund das Nachdenken, denn „wir machen das so, weil wir das immer so machen.“

Rituale = Hundeerziehung

Doch wie entstehen solche verbindlichen Rituale, die im Grunde das sind, was wir gemeinhin mit Hundeerziehung meinen? Unter einem Ritual versteht man laut Duden ein wiederholt stattfindendes, immer gleichbleibendes, regelmäßiges Vorgehen nach einer festgelegten Ordnung. Anders formuliert: in einer bestimmten Situation findet ein dazu gehöriges bestimmtes Handeln statt. Dieses Handeln wird durch bestimmte Kennzeichnung ausgelöst, zum Beispiel durch Hörzeichen oder Sichtzeichen, die Sie Ihrem Hund geben – durch Signale. Auch eine bestimmte Örtlichkeit kann eine solche Kennzeichnung für einen festgelegten Handlungsablauf sein.

Ein Beispiel gefällig? Im Hausflur liegt an passender Stelle eine Liegematte für den Hund. Sobald die Familie diesen Hausflur betritt, legt sich der Hund auf diese Matte und bleibt dort solange liegen, bis alle ihre Schuhe angezogen, Mützen aufgesetzt und Jacken zugeknöpft haben. Klingt zu schön, um wahr zu sein? Ein bisschen Vorlaufzeit braucht es natürlich schon, bis das im Alltag „von selbst“ funktioniert.

Hundetraining braucht Zeit

Womit wir beim Training für den Hund angekommen wären. Es hat wenig Sinn, wenn Sie Ihrem Hund im größten Morgen-Anzieh-Wirbel beibringen wollen, sich auf die Matte zu legen. Ganz abgesehen davon, dass Sie in dem Moment bestimmt anderes zu tun haben. Gutes Training findet zunächst außerhalb der kritischen Situation statt – in aller Ruhe und ohne Ablenkung. Ohne Zeitdruck und tobende Kinder rundherum lernt Ihr Hund Schritt für Schritt und mittels positiver Verstärkung, was er soll, sodass ihm der Ablauf (das Ritual) bald bestens vertraut ist.

Leider ist es oft so, dass  an solche Rituale erst gedacht wird, wenn man sie braucht. Und dann fehlt vielfach die Zeit dazu, sie richtig aufzubauen. Ist das Baby da, stehen ganz andere Themen auf der Tagesordnung als die Hundeerziehung, die man aber gerade dann so dringend bräuchte.

Rechtzeitig die passenden Rituale zu schaffen, ist auch eine Frage der Fairness dem Hund gegenüber. Wenn sich ein Baby ankündigt, haben die Menschen einige Monate Zeit, sich auf die Ankunft des neuen Erdenbürgers vorzubereiten. Der Hund spürt zwar gewiss, dass etwas in der Luft liegt, dass es anders ist als vorher. Was das für sein eigenes Leben und seinen Alltag bedeuten wird, weiß er dagegen nicht.

 

Ein Baby bedeutet Veränderungen

Womöglich darf Milly ab Tag X nicht mehr auf die Couch, auf der sie so viele gemütliche Stunden mit Frauchen verbracht hat (besonders in der Schwangerschaft wird ja besonders viel mit dem Hund gekuschelt). Vielleicht sind bestimmte Räume, wie zum Beispiel das Schlafzimmer oder das Kinderzimmer, von heute auf morgen tabu und wenn Finn sich für etwas interessiert, das auf den Boden gefallen ist, schreien plötzlich alle auf. Vorher war es unwichtig, ob Tinka links oder rechts von Herrchen läuft – sogar rundherum war ganz egal, am Kinderwagen ist es mit einem Mal ein Drama und sie soll brav an einer Seite bleiben.

 

Sicherheit mit Kind und Hund

„Die Tat unterscheidet das Ziel vom Wunsch“ Sprichwort

Alles das braucht Zeit. Zeit, in der erst einmal in Ruhe der Handlungsablauf einstudiert und dann alles so weit geübt und perfektioniert wird, dass es im Ernstfall und mit Ablenkung rundherum auch wirklich funktioniert. Vom Hund zu erwarten, dass er sich ohne entsprechende Unterweisung und ausreichende Übungsgelegenheit an die neuen Abläufe hält, ist wenig zielführend. Und eben auch ganz und gar nicht fair.

Hundeerziehung passiert nicht über Nacht. Ganz besonders dann nicht, wenn dabei lieb gewonnene Gewohnheiten (wie das Mittagschläfchen auf der Couch) abgeschafft werden. Nehmen Sie sich Zeit, sich nicht nur selbst auf die Zeit mit dem Baby vorzubereiten, sondern auch Ihren Hund. Mit dem richtigen Trainingsplan ist es gar nicht so schwer und Sie werden rasch vorwärtskommen.

 

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Überlegen Sie sich in Ruhe, was sich ändern wird/soll, wenn das Baby kommt und wo Nachbesserungsbedarf besteht. Wie ist es um die Leinenführigkeit Ihres Hundes bestellt? Kann Ihr Hund ein Weilchen liegenbleiben – auch wenn es rundherum zugeht? Können Sie Ihren Hund freundlich aus dem Raum schicken, wenn es brenzlig wird?

Verschieben Sie es nicht auf später, wenn sich zeigt, dass es erzieherischen Nachholbedarf gibt. Suchen Sie sich Hilfe, machen Sie einen guten Trainingsplan und legen Sie los. Nicht nur die Alltagsmanieren Ihres Hundes werden davon profitieren. Sie sparen sich außerdem eine Menge Nerven, und möglicherweise Kummer und Sorgen.

Ich freue mich, wenn ich Sie auf diesem Weg unterstützen darf

 

Ihre

Karin Immler

 

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