Wie wird mein Welpe stubenrein?

Wie bekomme ich ihn sauber? Das ist eine Frage, die in Hundegruppen sehr häufig gestellt wird. Bei allem Verständnis für die Fragenden, bin ich oft ehrlich bestürzt, welche Ratschläge dem oder der Fragenden erteilt werden. Bar jeden Wissens und bar jeder Empathie wird da der Stab über das Hundekind gebrochen, indem man es für renitent, Grenzen austestend oder stur bezeichnet. Es ist zum Weinen!

„Erwachsenwerden ist so eine barbarische Angelegenheit – voller Unannehmlichkeiten“ Peter Pan

Zunächst einmal sollten die zukünftigen HundehalterInnen sich klar darüber sein, dass ein Welpe nicht einfach die kleine, flauschige Ausgabe eines Hundes ist, sondern ein Baby, ein Kleinkind.

Die Natur hat in etwa 2 Jahre vorgesehen (mehr oder weniger) bis aus diesem Welpen ein junger Erwachsener wird – ein „L 17“ sozusagen. In dieser Zeit entwickelt sich das Gehirn des Hundes aber auch der Körper verändert sich und so geht es Schritt für Schritt in Richtung erwachsen und ausgereift.

Wer das nicht abwarten mag, ist mit einem erwachsenen Hund als neues Familienmitglied wesentlich besser beraten. Im Tierschutz gibt es genügend erwachsene Tiere, oft sogar bestens erzogen, aber zumindest stubenrein, die auf ihre neue Chance warten.

Stubenreinheit und Folgsamkeit

haben überhaupt nichts miteinander zu tun. Schon gar nicht bei einem Welpen.

Die Fähigkeit, Darm und Blase zu kontrollieren, d.h. sich nicht sofort zu entleeren, sobald der Drang auftritt, muss sich erst entwickeln. Diese Fähigkeit bekommt Ihr Hundekind nicht gleich mit eingepackt, wenn es zu Ihnen übersiedelt, sondern sie entwickelt sich erst im Laufe des Heranwachsens.

Wie ist es denn bei uns Menschen? Ein 3-jähriger, der zu Papa sagt „ich muss jetzt“, der muss JETZT – und nicht in 10 Minuten. Mit zunehmendem Alter wird es dann besser. Als Erwachsene haben wir im Normalfall durchaus Spielraum, wenn wir den Drang verspüren und können auf die nächste passende Gelegenheit warten.

Stubenreinheit ist nicht angeboren

Bedenken Sie, dass Sie ein „Baby“ ins Haus geholt haben, das noch nicht trocken ist. Tragen Sie den Welpen nach dem Schlafen, Fressen, Spielen, längeren Autofahrten etc. nach draußen an einen ruhigen Ort, möglichst auf eine Wiese. Am besten geeignet ist tatsächlich ein abgeschirmtes Fleckchen, von dem aus der Welpe keine großen Aufregungen wahrnehmen kann. Wenn es machbar ist, suchen Sie zunächst immer denselben Platz auf, dann weiß Ihr Kleiner schnell, worum es geht. Bleiben Sie bei ihm und loben Sie ihn mit freundlicher Stimme – aber ohne allzu großen Überschwand. Loben Sie ihn erst, wenn er mit seinem „Geschäft“ zu Ende kommt, sonst kann es sein, dass er es unterbricht, weil er durch Ihr Loben abgelenkt wird.

Ein Welpe muss anfangs auch nachts raus.

Stellen Sie sein Körbchen direkt neben Ihr Bett, um erste Anzeichen von Unruhe bemerken zu können. Wie gesagt, Sie haben sich ein Baby ins Haus geholt, ein Wickelkind sozusagen.

Strafen sind sinnlos und grausam

Wenn Sie Ihren Welpen für seine „Unsauberkeit“ bestrafen, dann strafen Sie ihn im Grunde genommen dafür, dass er noch nicht erwachsen ist. Das klingt schon ein bisschen seltsam, oder?

Nackenschütteln, mit der Nase in den Urin oder Kot stupsen oder ähnliche drastische Sanktionen sind unsinnig und Ihr Welpe versteht sie nicht! Bitte nicht schimpfen, anschreien oder sonstwie grauslich mit dem Hund sein, auch dann nicht, wenn Sie ihn auf „frischer Tat“ ertappen. Womöglich verknüpft er die Strafe mit Ihrem Hinzukommen oder, was noch schlimmer wäre, mit dem Geschäftchen-Machen an sich. Im ersten Falle wird er sich nur noch heimlich, nicht mehr in Ihrer Anwesenheit, lösen, im zweiten Falle hat er womöglich überhaupt  ein Problem damit, sein Geschäft zu verrichten.

Und außerdem: Wer ist denn wirklich „schuld“ an dem Malheur?

Es ist ja nicht die Schuld Ihres Welpen, wenn Sie nicht aufpassen! Schließlich ist es Ihr Job als „Erziehungsberechtigte/r“, sich darum zu kümmern, dass Ihr Kleiner rechtzeitig „aufs Örtchen“ kommt. Sie sind erwachsen, Sie sind verantwortlich!

Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht

Es hängt von Ihnen ab!

Je besser Ihre Beobachtungsgabe ist, umso schneller wird Ihr Welpe stubenrein.

Beobachten Sie Ihren Zwerg. Auch Ihr Hund zeigt Anzeichen dafür, dass er raus möchte. Steht er vor der Tür? Schaut er wiederholt zur Ausgangs- oder Terrassentür? Ist er unruhig? Fiept er?

Typische Hinweise, dass Ihr Kleiner dringend muss: er

  • ist besonders aufgeregt oder aktiv
  • dreht sich um die eigene Achse dreht
  • beginnt am Boden herumzuschnüffeln, zu dippen
  • sucht an der Stelle, an der er sich schon einmal gelöst hat
  • sieht oder läuft zu der Tür hin, durch die es nach draußen geht
  • hockt sich hin
  • hat Angst

Wenn Ihr Welpe auf seine Weise anzeigt, dass er JETZT rausmuss, liegt es an Ihnen. Schnell sein und raus mit dem Kleinen, dann ist alles gut!

Was tun, wenn es passiert ist?

Ignorieren Sie kleine und große Missgeschicke, egal ob sie in Ihrer Anwesenheit oder in Ihrer Abwesenheit passiert sind und beseitigen Sie die Hinterlassenschaften kommentarlos! Nicht meckern, nicht genervt schauen, nicht strafen, nicht ärgern! (Lieber EM-Reiniger als Essigreiniger zum Putzen betroffener Stellen verwenden, der Essiggeruch regt den Hund zum Urinieren an.)

Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: ein Welpe ist ein Baby.

Er ist auf Zeit, Verständnis und auf Unterstützung angewiesen, um zu einem souveränen erwachsenen Hund heranzuwachsen, und ganz besonders auf Ihr Verständnis, Ihre Unterstützung und Ihre Geduld.

Also bitte: 
Aufmerksam sein, gut aufpassen und schnell reagieren – und den Hund heranwachsen lassen!

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Der beste Start

Natürlich ist es wichtig für uns Menschen, das der Hundezwerg möglichst schnell stubenrein wird. Und Sie können ja auch allerhand dafür tun, dass das möglichst schnell der Fall ist. Das Thema „Stubensauberkeit“ ist deshalb auch im Vorbereitungspakets „Hurra – ein Welpe!“enthalten. Wenn demnächst so ein Zwergerl bei Ihnen einzieht, dann sollten Sie das auf keinen Fall versäumen. Und falls Sie jemanden kennen, der sich optimal auf den Einzug eines Hundekinds vorbereiten möchte, freue ich mich über die Weiterleitung dieser Information.

Um es nochmals zusammenzufassen:

Ein Welpe ist nicht einfach nur ein kleiner Hund. Er ist ein Baby und braucht genau wie ein menschliches Baby eine ganze Weile bis er tatsächlich an Körper und Geist gereift und erwachsen ist. Das dauert! Das nervt! Und das kann richtig, richtig anstrengend sein! Darum sollte man sich wirklich gut überlegen, ob man einen Welpen zu sich holt oder ob es nicht doch ein bereits erwachsener Hund sein soll.

Ich wünsche Ihnen gute Nerven mit Ihrem Fellzwert, allzeit fröhliches Wedeln in Ihrem Leben und freue mich, wenn ich Sie in dieser besonderen Zeit begleiten und unterstützen darf.

Herzlich

Ihre

Karin Immler

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Hurra, ein Welpe, Vorbereitungspaket